Mobbing beginnt nicht immer laut. Oft passiert es dort, wo Erwachsene gerade nicht hinschauen: auf dem Schulhof, im Klassenchat, in der Umkleide oder in kleinen Bemerkungen, die immer wieder gegen dieselbe Person gehen.
Ich kenne die Frage: „Ist alles okay?“
Lehrer und Erwachsene haben mich das früher auch gefragt. Ich habe immer gelogen.
Wenn man gemobbt und dadurch erniedrigt wird, gibt man das nicht gerne zu. Man möchte sich nicht noch verletzlicher zeigen, andere nicht belasten oder glaubt, man müsse allein damit klarkommen. Dazu kommt: Wer sich einmal nicht ernst genommen fühlte, erzählt beim nächsten Mal oft noch weniger. Auch die Mobbingforschung beschreibt, dass betroffene Schülerinnen und Schüler aus Angst vor Ablehnung oder negativen Folgen häufig lange schweigen.[3]
Mir hätte nicht geholfen, wenn jemand nur einmal Hilfe angeboten hätte. Mir hätte geholfen, wenn jemand einfach da gewesen wäre. Wenn Lehrer nicht weggeschaut hätten, weil sie dachten, es sei nur Spaß. Bei einigen Lehrern hat erst ihre wirkliche Präsenz dazu geführt, dass ich mich anvertrauen konnte.
„Vertrauen wird nicht geschenkt. Es wird verdient.“
Checkliste: Welche Anzeichen können auf Mobbing hindeuten?
Ein einzelnes Anzeichen beweist noch kein Mobbing. Wenn mehrere Veränderungen zusammenkommen oder über längere Zeit anhalten, sollten Erwachsene genauer hinsehen. Mobbing ist meist wiederholt, systematisch und von einem Ungleichgewicht geprägt.[1]
- Das Kind möchte plötzlich nicht mehr in die Schule oder fehlt häufiger.
- Es wirkt nach der Schule traurig, gereizt, ängstlich oder ungewöhnlich still.
- Bauch- oder Kopfschmerzen treten regelmäßig auf, ohne dass eine klare Ursache erkennbar ist.
- Leistungen, Konzentration oder Beteiligung am Unterricht verändern sich deutlich.
- Pausen werden allein verbracht; das Kind wird aus Gruppen oder Chats ausgeschlossen.
- Schulsachen, Kleidung oder persönliche Gegenstände fehlen oder werden beschädigt.
- Es gibt wiederkehrende Sprüche, Gerüchte, Bloßstellungen oder körperliche Übergriffe.
- Nach Nachrichten auf dem Handy wirkt das Kind angespannt, beschämt oder zieht sich zurück.
- Die Stimmung in der Klasse ist auffällig angespannt, obwohl einzelne Vorfälle als „Spaß“ bezeichnet werden.
Mobbing findet oft im Verborgenen statt. Deshalb empfiehlt die Schulpsychologie, das Klassengeschehen regelmäßig zu beobachten, aktiv auf Schülerinnen und Schüler zuzugehen und vertrauensvolle Möglichkeiten zum Gespräch zu schaffen.[2]
Was Erwachsene tun können
- Bleiben Sie ansprechbar, auch wenn das Kind zunächst sagt: „Alles okay.“
- Fragen Sie nicht nur einmal. Sagen Sie ruhig: „Du musst heute noch nichts erzählen. Ich bin da und frage später noch einmal nach.“
- Nehmen Sie Aussagen ernst und vermeiden Sie Sätze wie: „Das war bestimmt nur Spaß.“
- Dokumentieren Sie konkrete Beobachtungen, Zeitpunkte, Nachrichten und Namen.
- Vermitteln Sie klar: „Du bist nicht schuld. Ich nehme dich ernst.“
- Beziehen Sie die zuständigen Personen in der Schule ein und entwickeln Sie gemeinsam Schutzmaßnahmen.
- Lassen Sie das Kind nicht allein mit der Situation. Schule und Eltern sollten sich, mit dem Einverständnis des Kindes und mit Blick auf seinen Schutz, abstimmen.[2]
Ich wünsche mir, dass kein Kind erst zusammenbrechen muss, bevor jemand hinsieht. Manchmal beginnt Hilfe nicht mit der perfekten Frage. Manchmal beginnt sie damit, dass jemand bleibt.
Mobbing an Ihrer Schule thematisieren
Wenn Sie Mobbing, Selbstwert und Resilienz an Ihrer Schule persönlich thematisieren möchten, finden Sie hier meine Schulworkshops.
Mobbingpräventions-Workshops ansehen →